Österreichische Liga für Menschenrechte

Menschenrechtspreis

Der Liga ist es ein besonderes Anliegen Menschenrechte als Querschnittsthematik in der Gesellschaft zu verankern. Mit der Vergabe des Menschenrechtspreises möchte die Liga seot 2010 nicht nur Menschenrechtsverletzungen thematisieren, sondern auch jenen eine Plattform für ihre Anliegen bieten, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen.

Der Menschenrechtspreis der Liga 2018 wird am 10. Dezember 2018 in Kooperation mit dem internationalen Filmfestival thishumanworld vergeben.

Preisträger 2018 Claus Peter Reisch, Lifeline

Reisch ist Kapitän des Seenotrettungsschiffs „Lifeline“, das Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer aufgreift und in europäische Häfen bringt. Internationale Bekanntheit erlangten Reisch und die „Lifeline“ im vergangenen Sommer, als das Schiff tagelang einen Hafen suchte, weil sich kein Mittelmeeranrainerstaat dazu durchringen konnte der „Lifeline“ und den rund 250 Flüchtlingen an Bord das Anlegen zu erlauben.

Barbara Helige, Präsidentin der Österreichischen Liga für Menschenrechte, begründet ihre Entscheidung für die Auszeichnung folgendermaßen:„Der heurige Preisträger des Menschenrechtspreises, Claus-Peter Reisch, hat als Kapitän der ‚Lifeline‘ flüchtende Menschen aus Seenot gerettet, was ihm auf Malta ein Strafverfahren eingebracht hat. Trotzdem gibt er nicht klein bei. In einer Zeit, in der die Politik – europaweit, aber besonders auch in Österreich – menschenverachtende Tendenzen fördert, rettet Claus-Peter Reisch an der Spitze seines Teams nicht nur Menschenleben, sondern gibt all jenen Mut, die auch nicht nur zuschauen wollen.“

Claus-Peter Reisch: „Diese Auszeichnung der Österreichischen Liga für Menschenrechte ehrt mich sehr und ich nehme sie im Namen der ‚Mission Lifeline‘ und meiner gesamten Besatzung entgegen. Als Schiffskapitän ist es meine Pflicht, jedem zu Hilfe zu eilen, der auf See in Not gerät – da muss ich nicht lange überlegen und bin sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Schließlich kann man niemanden – egal woher er kommt – ertrinken lassen.“

Über den diesjährigen Preisträger

Claus-Peter Reisch (* 17. April 1961) stammt aus Bayern und betreibt ein Unternehmen für Installationen und Sanitärtechnik. Bei einem Urlaub in Griechenland im Jahr 2015 kam er erstmals direkt mit Flüchtlingen in Berührung und schloss sich der Seenotrettung „Mission Lifeline“ an, die flüchtende Menschen aus dem Mittelmeer rettet. Nachdem das von Reisch geführte Rettungsschiff „Lifeline“ im Juni 2018 mit 250 aus Seenot geretteten Flüchtlingen tagelang auf dem Mittelmeer ausharren musste, da Italien das Anlegen des Schiffes verweigerte, durfte es schließlich einen maltesischen Hafen anlaufen. In Malta wurde Claus-Peter Reisch verhaftet und vor Gericht gestellt. Die maltesischen Behörden werfen ihm vor, dass das Schiff nicht ordnungsgemäß registriert gewesen sei. Die „Lifeline“ ist seitdem festgesetzt, das Gerichtsverfahren läuft.

Preisträger der Vorjahre:

2017 Osman Isçi, Human Rights Association und Menschenrechtsorganisation in der Mittelmeerregion, EuroMed Rights

2017 wird Osman Isçi, Generalsekretär der türkischen Human Rights Association und Vorstandsmitglied der Menschenrechtsorganisation in der Mittelmeerregion, EuroMed Rights, ausgezeichnet, "stellvertretend für die Menschen in der Türkei", so Liga-Präsidentin Barbara Helige. Persönlich in Wien den Preis entgegennehmen kann Isçi, Gewerkschafter und Verfasser von vier Berichten über Versammlungsfreiheit, nicht. In der Türkei steht er unter Ausreiseverbot, im April 2017 hat er seine Arbeit als Experte für englische Literatur an der Hacettepe-Universität in Ankara verloren, auch ein Gerichtsverfahren läuft gegen ihn. Seine Rede wird Isçi daher per Videobotschaft halten.

2016 Richard und Linde Wadani

Richard WADANI (geb. 1922) rückte 1939 zur Wehrmacht ein und verbrachte die Jahre 1941 bis 1944 als Besatzungssoldat in der Sowjetunion. Als Gegner des Nationalsozialismus unterstützte er lokale Partisanen, Versuche zu desertieren scheiterten aber. Im Oktober 1944 gelang ihm die Desertion an der Westfront. Er lief zu den Amerikanern über.
Nach dem Krieg war Wadani für die KPÖ tätig. Er arbeitete als Sportlehrer und war Trainer der österreichischen Volleyballnationalmannschaft. Nach der gewaltsamen Niederschlagung des „Prager Frühlings“ 1968 verließ er die KPÖ.
Seit 20 Jahren setzt sich Wadani für die Verfolgten der NS-Militärjustiz ein. Die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure in Österreich ist seinem Engagement zu verdanken. 2016 erhält er gemeinsam mit seiner Frau Linde den Menschenrechtspreis der Österreichischen Liga für Menschenrechte.

2015 Train of Hope

Der Preis 2015 ging and die Initiative „Train of Hope“, die Flüchtlingen am Wiener Hauptbahnhof Soforthilfe anbietet, - stellvertretend für alle Freiwilligen, die sich in der Flüchtlingsthematik engagiert haben.„Selten haben wir uns so rasch auf einen mehr als würdigen Preisträger einigen können. Die Freiwilligen von Train of Hope zeigen seit Monaten, wie man respektvoll und empathisch handelt nd dabei mit größtem Einsatz Menschen, die unendliches Leid erleben mussten, die Würde zurückgibt. Und das Schönste daran: So viele sind dabei! All jenen soll mit diesem Preis symbolisch gedankt werden. Diese Initiative macht uns allen Mut und gibt uns Motivation“, so Barbara Helige, Präsidentin der Österreichischen Liga für Menschenrechte. Als parteiloser und organisationsunabhängiger Zusammenschluss von Freiwilligen organisiert und koordiniert Train of Hope ehrenamtliche Soforthilfe für Flüchtlinge am Hauptbahnhof Wien. Das Ziel ist die Versorgung der Reisenden mit Nahrungsmitteln, Sachspenden oder auch Informationen; so lange bis der weitere Weg geklärt ist – egal, ob in eine Aufnahmestelle in Österreich oder in ein anderes Zielland. Wichtiges Anliegen ist dabei, dass sich die Reisenden willkommen fühlen und ihnen ein Moment der Ruhe ermöglicht wird.

2014 BettelLobbys

Der Preis zur Wahrung und Erhaltung der Menschenrechte wird 2014 an die österreichischen BettelLobbys verliehen, stellvertretend für alle Initiativen, die sich gegen Bettelverbote und für einen solidarischen und respektvollen Umgang mit bettelnden Menschen einsetzen. Vor dem Hintergrund zahlreicher gesetzlicher Verschärfungen gegen das Betteln und einer pauschalen Kriminalisierung von bettelnden Menschen in der öffentlichen Diskussion, setzen sich die BettelLobbys für die Rechte von BettlerInnen und gegen Vertreibung und Kriminalisierung ein.

Barbara Helige, Präsidentin der Liga für Menschenrechte: „Die Vergabe des Menschenrechtspreises der Österreichischen Liga für Menschenrechte an die BettelLobbys soll ein Zeichen setzen: Gerade Menschen, die in der Leistungsgesellschaft - aus welchem Grund auch immer - auf der Strecke bleiben, haben die öffentliche Solidarität der anderen besonders nötig.“

www.bettellobby.at

2013 Hemayat

Das Wort „Hemayat“ stammt aus dem arabischen Sprachraum und bedeutet „Betreuung“ und „Schutz“. Der gemeinnützige Verein HEMAYAT wurde 1995 gegründet und hat sich in Wien als Zentrum für dolmetschgestützte medizinische, psychologische und psychotherapeutische Betreuung von folter- und kriegstraumatisierten Flüchtlingen etabliert. Die Betreuung umfasst Diagnostik, Beratung, Krisenintervention, medizinische Versorgung und interkulturelle Psychotherapie. Ziel der Behandlung bei Hemayat ist es, die Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und soziale Kompetenz der KlientInnen wiederherzustellen und dadurch auch eine grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration in Österreich zu schaffen.

Für Terezija Stoisits, Vizepräsidentin der österreichischen Liga für Menschenrechte, ist „HEMAYAT der Ort in Wien, wo traumatisierte Menschen mit Folter- oder Kriegserfahrung Sicherheit und Hoffnung finden.“

www.heymayat.org

2012 Die Journalistin Amani el Tunsi

Die Österreichische Liga für Menschenrechte freut sich den Menschenrechtspreis 2012 an Amani el Tunsi verleihen zu dürfen. Die Ägypterin betreibt seit 2008 die Internet-Radiostation „Banat wa bass- for Girls only“, mit der sie versucht den Frauen ihrer Heimat eine Stimme zu verleihen und über Themen wie häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch und Genitalverstümmelung aufzuklären. Sie hat bis heute an die fünf Millionen ZuhörerInnen im arabischen Raum. Nach der Revolution hat sich die Situation, gerade für politisch aktive Frauen, durch den Militärrat verschlechtert. 98 Prozent der Abgeordneten im neu gewählten Parlament sind Männer, nur zwei Prozent Frauen. Umso wichtiger sind Personen wie Amani el Tunsi, die darüber aufklären.

"Es muss sich etwas ändern! Aber weißt Du, es hängt nicht nur von den Frauen ab. Es muss sich die tief verwurzelte Überzeugung der Männer ändern! Ich arbeite zwar in einer Radiostation, die für Frauen sendet, aber ich spreche auch zu den Jungs, nicht nur zu den Mädchen. Ich spreche mit beiden. Denn die Jungs müssen einsehen, dass wir Rechtehaben. Das müssen sie verstehen! " (Amani el Tunsi)

2011 Michael Genner, Asyl in Not

Der diesjährige Menschenrechtspreis für besondere Verdienste um die Umsetzung der Menschenrechte in Österreich wird an Michael Genner verliehen. Er kämpft mit seinem Verein Asyl in Not unermüdlich und mit großem Engagement für die Wahrung des Menschenrechts auf Asyl. Schon seit über zwanzig Jahren ist er als Rechtsberater in Asylverfahren tätig und hat zahlreichen Menschen geholfen, ein Leben ohne Angst vor Abschiebung und Verfolgung zu führen. Er verbindet konkrete Rechtsberatung mit seinem kontinuierlichen politischen Kampf gegen ein menschenfeindliches Rechtssystem.

„Denn es gibt noch viel zu tun, viel Unrecht gehört weggeräumt – und vielleicht kommt ja doch eines Tages, ganz unerwartet, wie so oft in der Geschichte, die große Veränderung, zu der ich meinen bescheidenen Teil beitragen darf.“ (Michael Genner in einem Text zu seinem 63. Geburtstag).

www.asyl-in-not.org

2010 Margarita Ilieva, Bulgarian Helsinki Committee und Deserteurs- und Flüchtlingsberatung

Der Preis 2010 wird an Margarita Ilieva, Rechtsanwältin und Leiterin des Rechtsprogramms des bulgarischen Helsinki-Komitees für ihr ausserordentliches Engagement für Menschenrechte vergeben.

Die Deserteurs- und Flüchtlingsberatung wurde 1992 gegründet. Begonnen hat alles mit der Unterstützung von serbischen und kroatischen Deserteuren. Asylanträge zu stellen, erwies sich als eine Möglichkeit, den Widerstand gegen diesen Krieg zu unterstützen. Heute kommen die KlientInnen aus über 40 Ländern. Sie haben die verschiedensten Fluchtgründe. „Der Preis wertschätzt den besonderen Einsatz des Teams für Flüchtlinge und Deserteure”, heißt es in der Begründung der Liga, „aber auch dessen engagierte politische Arbeit.”

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