Österreichische Liga für Menschenrechte

Österreichische Liga für Menschenrechte verleiht Bettel Lobbys Menschenrechtspreis 2014

Einladung zur Preisverleihung im Rahmen des internationalen Menschenrechtsfilmfestivals thishumanworld am
Donnerstag, 11. Dezember 2014 um 19:30 Uhr
Wien, 04. Dezember 2014 – Der diesjährige Preis zur Wahrung und Erhaltung der Menschenrechte wird von der Österreichischen Liga für Menschenrechte an die österreichischen BettelLobbys verliehen, stellvertretend für alle Initiativen, die sich gegen Bettelverbote und für einen solidarischen und respektvollen Umgang mit bettelnden Menschen einsetzen. Vor dem Hintergrund zahlreicher gesetzlicher Verschärfungen zum Betteln und einer pauschalen Kriminalisierung von bettelnden
Menschen in der öffentlichen Diskussion, setzen sich die BettelLobbys für die Rechte von BettlerInnen und gegen Vertreibung und Kriminalisierung ein. Barbara Helige, Präsidentin der Liga für Menschenrechte: „Die Vergabe des Menschenrechtspreises
der Österreichischen Liga für Menschenrechte an die BettelLobbys soll ein Zeichen setzen: Gerade Menschen, die in der Leistungsgesellschaft – aus welchem Grund auch immer – auf der Strecke bleiben, haben die öffentliche Solidarität der anderen
besonders nötig.“
Die feierliche Preisverleihung des Menschenrechtspreises 2014 findet in Kooperation mit dem internationalen Menschenrechtsfilmfestival thishumanworld am Donnerstag, 11. Dezember 2014 um 19.30 Uhr im Haus der Europäischen Union (1010 Wien, Wipplingerstrasse 35) statt.
Über die BettelLobbys

Anlässlich gesetzlicher Verschärfungen und hetzerischer öffentlicher Diskussionen haben sich in mehreren Bundesländern Gruppen und Allianzen gebildet, die sich für das Recht zu betteln und gegen die Vertreibung und Kriminalisierung von bettelnden Menschen einsetzen. So verteidigen die BettelLobbys und andere Initiativen das Grundrecht auf Betteln und
kämpfen gegen Polizei- und Behördenwillkür, Vorurteile, falsche Medienberichte und rassistische Hetze. Sie widersprechen vehement den stereotypen und diffamierenden Geschichten über die sogenannte „Bettelmafia“, über ausgebeutete Opfer und reiche Hintermänner. Vielmehr rücken die BettelLobbys jene Menschen in den Mittelpunkt, die von massiver Armut betroffen sind und mit Betteln, Straßenmusik und Zeitungsverkauf aktiv nach Möglichkeiten suchen, um ihr Überleben zu sichern, weil sie keine Arbeit finden oder keinen Zugang zu Sozialleistungen haben. In den letzten Jahren wurden Armutsbetroffene häufig
aus dem öffentlichen Raum vertrieben. Im Zuge dieser Vertreibungspolitik werden gesellschaftliche Missstände wie Armut und soziale Ungleichheit oft als Sicherheitsproblem dargestellt. Sich gegen Bettelverbote einzusetzen, ist daher auch ein Engagement für eine inklusive, auf den Menschenrechten basierende Nutzung öffentlichen Raums. Der öffentliche Raum muss allen gehören, nicht nur den Kaufkräftigen!
Helige: „Wenn immer wieder Bettelverbote verlangt oder auch angeordnet werden, ist dies nichts anderes als ein untauglicher Versuch, die Ungleichheit in der Gesellschaft auf Kosten der Ärmsten zu tabuisieren und unsichtbar zu machen. Ganz nach dem Motto: Aus dem Auge aus dem Sinn! Das verletzt aber die Würde jener Menschen, die aus dem Straßenbild verbannt werden sollen. Ganz im Gegenteil ist es notwendig, dass sich die Gesellschaft dem Problem der Armut stellt und dieses bekämpft.“
Zentrale Forderungen

Die zentralen Forderungen der BettelLobbys umfassen die ersatzlose Abschaffung von Bettelverboten, ein Ende der Kriminalisierung von bettelnden Menschen sowie einen solidarischen und respektvollen Umgang mit diesen. Damit richten die BettelLobbys ihren Blick auf die schwierigen Lebens- und Bettelbedingungen und würdigen die Handlungsfähigkeit von bettelnden Menschen, um der Spirale aus massiver Armut und Perspektivenlosigkeit zu entfliehen. Zu den Tätigkeiten der ehrenamtlich arbeitenden BettelLobbys gehören Rechtshilfe für Betroffene, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, Protestaktionen, Vorträge und Workshops zum Thema sowie die Vernetzung von ExpertInnen, MultiplikatorInnen und Betroffenen.
Weitere Zitate:

Zitat Ferdinand Koller (BettelLobby Wien): „Seit mehr als einem Jahr bietet die BettelLobby
Wien Rechtshilfe für bettelnde Menschen an. Es ist erschreckend, wie die Polizei mit
bettelnden Menschen umgeht: Die Strafen sind meist rechtswidrig, willkürlich und
übertrieben hart. Zudem werden die Leute beschimpft und erniedrigt, etwa dadurch, dass sie
gezwungen werden, sich auszuziehen. Um Einzelfälle handelt es sich nicht. Wir haben im
vergangenen Jahr mehrere dutzend rechtswidrige Strafen beeinsprucht und noch viele mehr
gesehen, die schon rechtskräftig waren. Aus dem Material, das uns vorliegt, können wir
schließen, dass die Polizei hier systematisch Menschenrechte verletzt.“

Zitat Eliabeth Hussl (BettelLobby Tirol): „Wir begrüßen die Selbstorganisation aller
Menschen, treten dafür ein, dass sich auch bettelnde Menschen solidarisieren und
gegenseitig unterstützen dürfen und versuchen darüber aufzuklären, dass
Selbstorganisation und Selbsthilfe nichts mit sogenannten ‚Bettelbanden‘ oder einer
sogenannten ‚Bettelmafia‘ zu tun haben.“

Zitat Ricarda Kössl (BettelLobby Tirol): „‘Jetzt schon ums Betteln betteln müssen‘, lautet ein
Text der Lyrikerin Barbara Hundegger, der im Zuge einer unserer Interventionen gegen
Bettelverbote in der Innsbrucker Innenstadt veröffentlicht wurde. Dieses Gefühl, welches
Barbara Hundegger hier beschreibt, begleitet unsere Arbeit im öffentlichen Raum immer
wieder. Beleidigungen, Schikanen, Vertreibung und Bestrafung von armutsbetroffenen
Menschen stehen in Österreich auf der Tagesordnung und sind ein beschämendes
gesellschaftliches Armutszeugnis im 21. Jahrhundert.“

Zitat Christian Diabl (BettelLobby OÖ): „Am Anfang war das Erstaunen darüber, wie sangund
klanglos ein Bettelverbot in Oberösterreich durchgebracht werden würde. Darauf folgte
die Erkenntnis, selbst etwas dagegen unternehmen zu müssen und dann die Überraschung,
wie viele Menschen sich offenbar dasselbe gedacht und genau auf diese Initialzündung
gewartet haben. Seitdem gibt es die BettelLobby OÖ und wir versuchen mit bescheidenen
Mitteln öffentlich Gegenpositionen zu formulieren, den Betroffenen eine Stimme zu geben
und die Verantwortlichen daran zu hindern, ihre Vertreibungspolitik allzu bequem
umzusetzen.“
Mehr Infos: www.bettellobby.at

Einladung zur Menschrechtspreisverleihung
Im Rahmen des internationalen Menschenrechtsfilmfestivals thishumanworld möchten wir
Sie herzlich zur Verleihung des Menschenrechtspreises 2014 an die BettelLobbys einladen.
Wann: Donnerstag, 11. Dezember 2014, um 19:30 Uhr
Wo: Haus der Europäischen Union (1010 Wien, Wipplingerstrasse 35)
Um Anmeldung wird bis zum 10. Dezember unter k.preckel@liga.or.at, Tel.: 0650 416 76 44
gebeten.

Österreichische Liga für Menschenrechte
Die Österreichische Liga für Menschenrechte setzt sich für die Umsetzung und Einhaltung der Menschenrechte ein. Sie greift aktuelle Themen auf und setzt sich in Veranstaltungen, Projekten und durch Öffentlichkeitsarbeit mit menschenrechtlich relevanten Themen cheap propecia online auseinander. Das Büro steht überdies allen Ratsuchenden als Anlaufstelle bei individuellen Anliegen im Bereich von Menschenrechten zur Verfügung und bietet Orientierungshilfe bei Rechtsfragen.
Siehe auch: www.liga.or.at

Rückfragen:
Österreichische Liga für Menschenrechte
Kira Preckel
k.preckel@liga.or.at
Tel: 0650 416 76 44

Österreichische BettelLobbys:
http://www.bettellobby.at/

Oberösterreich
BettelLobby Oberösterreich
Pressekontakt: Christian Diabl
giro@servus.at; info@bettellobby.at
Tel: 0699 13320777

Salzburg
Vernetzung zu Betteln in Salzburg
Pressekontakt: Desirée Summerer
summerer@friedensbuero.at
Tel: 0650 9256224
Bettelverbot in Salzburg, c/o Plattform Menschenrechte Salzburg
plattform@menschenrechte-salzburg.at

Steiermark
Forum gegen Bettelverbote
Pressekontakt: Joachim Hainzl
joachim.hainzl@verein-xenos.net
Tel. 0699 10390453

Tirol
BettelLobby Tirol
Pressekontakt: Elisabeth Hussl, RicardaKössl
bettellobby-tirol@gmx.at
Tel: 0680 2322355

Wien
BettelLobby Wien
Pressekontakt: Ferdinand Koller
ferdinandkoller@hotmail.com
bettellobbywien@gmx.at
Tel: 0650 7413000
https://bettellobbywien.wordpress.com/

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