Österreichische Liga für Menschenrechte

08/12

Menschenrechtspreis 2020 an Maria Rösslhumer vergeben

Die Österreichische Liga für Menschenrechte freut sich, den Menschenrechtspreis 2020 an Maria Rösslhumer zu vergeben. Die Politikwissenschaftlerin und langjährige Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) wird für ihre besonderen Verdienste zum Schutz der Menschenrechte und ihr außerordentliches Engagement für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder ausgezeichnet.

Maria Rösslhumer ist Leiterin der Frauenhelpline gegen Gewalt (0800/222 555) und war von 1999 bis 2017 Geschäftsführerin des Vereins WAVE (Women Against Violence Europe) des Europäischen Netzwerks gegen Gewalt an Frauen und Kindern. Sie ist Vorstandsmitglied des Österreichischen Frauenrings und Mitgründerin des Vereins OBRA (ONE BILLION RISING AUSTRIA) und seit neuestem auch Vorstandsfrau bei MAMANET. Sie ist Gesamtkoordinatorin des Nachbarschaftsprojekts „StoP-Stadtteile ohne Partnergewalt“ in Österreich und auch Vorstandsmitglied des dazugehörigen internationalen Vereins. Die Gender- und Gewaltexpertin arbeitet zudem als Trainerin und Vortragende.

„Maria Rösslhumer zu kennen, gibt Mut und erleichtert es, sich den Themen Gewalt an Frauen und Kindern, häusliche Gewalt und Flucht ins Frauenhaus zu stellen und sich damit auseinanderzusetzen. Marias jahrzehntelanger Einsatz und ihr Lobbying haben dazu geführt, dass sich viele Menschen mit dieser Thematik auseinandersetzen, weil sie es nie gescheut hat, die drastischen Probleme klar zu benennen. Keine Umschreibungen, keine Camouflagen, ihre Worte sind immer präzise und deutlich, wie die Auswirkungen bei jenen, die von Gewalt betroffen sind. Jedes Land braucht starke, furchtlose Frauen. Österreich hat mit Maria Rösslhumer eine solche“, so die Vizepräsidentin der Österreichischen Liga für Menschenrechte, Terezija Stoisits, zur Entscheidung der Jury.

Maria Rösslhumer nahm den Menschenrechtspreis im kleinsten Rahmen in ihren Büroräumlichkeiten entgegen: „Heute noch könnte ich mich jeden Tag bedanken, dass ich hier arbeiten darf, dass ich diesen Job habe, dass ich ein tolles Team habe, viele engagierte Mitarbeiterinnen habe, aber auch Männer, die unsere Arbeit unterstützen. Ich freue mich auch, dass es politisch Verantwortliche gibt, die unsere Arbeit mittragen. Ich möchte mich für die Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz, mit allen Opferschutzeinrichtungen und auch den Medien bedanken, die gemeinsam wichtige Pfeiler unseres Einsatzes gegen Gewalt

sind. Auch wenn die tägliche Auseinandersetzung mit Gewalt an Frauen und Kinder eine große Herausforderung darstellt, so freue ich mich dennoch über diese Arbeit, weil sie sinnvoll ist und weil ich und meine Teams täglich helfen und wir etwas bewirken können.“

Prominente Gratulanten und Wegbegleiter

Auch in Gabriele Heinisch-Hosek fand Maria Rösslhumer eine langjährige Mitstreiterin. Die ehemalige Bundesministerin für Frauen und nunmehrige Vorsitzende der SPÖ Frauen und Bereichssprecherin für Frauen und Gleichbehandlung zur Preisverleihung: „Ob PolitikerIn oder nicht, wer kennt Maria nicht? Maria ist seit Jahrzehnten Seite an Seite mit den Frauen in diesem Land, die alle ein Ziel haben: Null Toleranz bei Gewalt an Frauen. Ob es nun Kampagnen sind, ob es die Frauenhelpline ist, ob es die Zusammenarbeit mit uns als PolitikerInnen ist, Maria ist, erstens, immer da, wenn man sie braucht, und, zweitens, immer da. Sie muss kämpfen, sie muss Geld auftreiben, sie muss lobbyieren, sie will das auch. Ich bin so froh, dass wir Frauen wie Maria, die sich tagtäglich gegen Gewalt einsetzen, kennen und mit ihnen zusammenarbeiten dürfen. Darauf bin ich persönlich sehr stolz.“

Der Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Günter Schwaiger, der sich in seinen Filmen mit Gewalt an Frauen auseinandersetzt, wurde von Maria Rösslhumer bei seiner Arbeit beratend begleitet. Zuletzt führte er die Regie des Spielfilms „Der Taucher“, der sich mit den Auswirkungen familiärer Gewalt auf Kinder beschäftigt. Bereits 2013 thematisierte er das Thema Gewalt an Frauen im Dokumentarfilm „Martas Koffer“. „Der Menschenrechtspreis für Maria Rösslhumer: Ein absoluter Volltreffer. Sie ist eine unermüdliche Kämpferin für die Menschenrechte aller Frauen. Dieser Preis ist eine Anerkennung für ihre Energie, für ihre große Bestimmtheit, mit der sie dieses Thema immer wieder an die Oberfläche bringt. Für mich als Mann bedeutet die Arbeit mit ihr eine enorme Bereicherung, denn Maria sucht keine Konfrontation der Geschlechter, sondern konstruktive Wege des Lernens und des Erkennens, um gemeinsam eine gleichgestellte und gewaltfreie Gesellschaft schaffen zu können“, so Günter Schwaiger.

Video zur Preisverleihung

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