Österreichische Liga für Menschenrechte

Kinderrechte in Corona-Zeiten

Nicht jeder hat´s so leicht wie er...

Denn dieser kleine Mensch ist in Österreich geboren. Er wird es in Bezug auf die Einhaltung seiner Menschenrechte leichter haben als viele andere Kinder. Weil er in Europa geboren wurde, noch dazu in Österreich. Hier kann man davon ausgehen, dass seine Rechte als Kind eingehalten werden und einer unbeschwerten Kindheit nichts im Wege steht. Und für den Fall, dass ihm Unrecht getan und die UN - Kinderrechts-Konvention (KRK) und daraus folgende nationale Kinderschutzrechte nicht beachtet würden, hätte er hierzulande die Möglichkeit, diese Rechte einzufordern und durchsetzen zu lassen.

In so einer guten Situation befinden sich aber leider nicht alle Kinder und Jugendlichen dieser Welt. Viele können sich nicht auf die ihnen versprochenen Rechte berufen. Von mangelnden Möglichkeiten, sein Recht auf Bildung zu verwirklichen bis hin zu Kinderarbeit und Ausbeutung gibt es zahlreiche Problemfelder, bei denen einige Staaten nicht bereit sind, sie ernsthaft in Angriff zu nehmen. Und das, obwohl nahezu alle UN-Mitgliedsstaaten die KRK unterzeichnet haben.

Die direkten Folgen der Maßnahmen zu Eindämmung des Virus treffen Kinder oft besonders stark. Das Recht auf Bildung ist wichtig, und wenn es zur Erhaltung der gesamtgesellschaftlichen Gesundheit vorübergehend ausgesetzt wird, müssen die Verantwortlichen genau abwägen, ob und wie lange das geschehen darf. Noch ist nicht abzusehen was es für die heutigen Schulkinder in Zukunft bedeutet, den Lehrstoff versäumt oder ohne Hilfe erarbeitet zu haben. Das Problem der ungleichen Bildungsverteilung wird dadurch verschärft. Das fängt schon bei der technologischen Ungleichheit an, nicht alle Familien können Computer für den Fernunterricht bereitstellen. Oft fehlt es auch einfach an Platz, wenn mehrere Kinder gleichzeitig von Zuhause aus unterrichtet werden. Um zu verhindern, dass diese Kinder und Jugendlichen bildungstechnisch zurückbleiben, müsste mehr Lehrpersonal eingesetzt werden, um zu beobachten, wie die Schüler individuell damit zurechtkommen.

Ein weiteres Problem sind die Ausgangsbeschränkungen. Hier in Österreich nun mittlerweile gelockert, gibt es rund um dem Globus Länder, wo sie immer noch oder wieder in Kraft sind. Abgesehen davon, dass das Recht auf Freizeit hier sehr weit eingeschränkt wird, gibt es eine Reihe weiterer Probleme, die dadurch aufkommen. Der Wegfall der gewohnten sozialen Kontakte kann für Kinder und Jugendliche schwierig sein. Er kann zu psychologischen Krisen führen, und in vielem Fällen haben die Betroffenen niemanden mehr, denen sie sich anvertrauen können. Das reicht von dem Schulkollegen bis zu den Großeltern. Verschärft wird dieses Problem überall dort, wo es häusliche Gewalt gibt. Kontrollmechanismen, die sonst einen Blick auf das Kindeswohl haben, fallen weg. Gleichzeitig wird die Möglichkeit erschwert, sich jemandem anzuvertrauen und nach Hilfe zu suchen. Auch durch die Krise oft eine gesteigerte Frustration vieler Eltern zu beobachten die sich häufig an den Kindern entlädt.

All das macht es nötig, die Augen besonders offen zu halten um Kinder nicht in das Gefühl der Hilflosigkeit versinken zu lassen. Es ist die Aufgabe des Staates, sich gut zu überlegen, welches Recht überwiegt und ab wann das Recht auf Leben und Gesundheit nicht mehr allen anderen vorgezogen werden darf.

Den Kindern würde das helfen.

Voriges Bild
Nächstes Bild
Schließen