Österreichische Liga für Menschenrechte

12/10

Die Österreichische Liga für Menschenrechte trauert um Vorstandsmitglied Klaus Gartler

Völlig unerwartet ist DI Klaus Gartler vor kurzem verstorben. Von Beruf Architekt und Stadtplaner fühlte er sich der Stadt Graz als Stadtrat und später als Vorstands- und Beiratsmitglied des Friedensbüros sowie als Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Menschenrechtsbeirates besonders verbunden. Für den weltoffenen und zutiefst humanistischen Sozialdemokraten waren soziale Gerechtigkeit und friedliche Zusammenarbeit und Entwicklung in einer städtischen Gesellschaft wie Graz von grundlegender und essentieller Bedeutung. So gab er mit einer seiner älteren Arbeiten für den Steirischen Herbst 2016 einen wesentlichen Impuls. Gartler bewies anhand von Manhattan, dass auf einem Drittel der Fläche von Graz drei Millionen Menschen gut miteinander leben und auskommen können. Durch sein klares und analytisches Denken erkannte er in Diskussionen rasch die wesentlichen Punkte. Immer war er ein Unterstützer und Förderer von Menschen, die das demokratische und friedliche Zusammenleben im Auge hatten.

Als steirischer Vorsitzender der Österreichischen Liga für Menschenrechte wirkte er im Rahmen der Liga weit über die Grenzen der Steiermark hinaus. Bei der jährlich am 10. Dezember vom Bundesheer abgehaltenen Gedenkfeier zum Internationalen Tag der Menschenrechte der Vereinten Nationen war Klaus Gartler einer der drei Redner. Die letzte Rede vom 10. Dezember 2015, gehalten im Gedächtnishain der Belgier-Kaserne, sei als sein Vermächtnis auszugsweise wiedergegeben:

„Aber heute tragen wir auch die Bilder der Menschen mit uns, die vor dem grausamen Krieg im Nahen Osten, vor Armut und Hunger in Afrika und anderswo nach Europa flüchten. Jean Ziegler hat in einem Interview erst diese Woche wieder berichtet, dass täglich 100.000 Menschen auf der Welt an Hunger sterben, das sind 36 Millionen Menschen im Jahr. Diese Menschen können nirgends mehr hingehen. Nach Angaben des UNHCR befinden sich 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, nahezu eine Million Flüchtende sind dieses Jahr über Italien und den Balkan nach Europa gekommen und ein großer Anteil wählte den Weg über Österreich. Die Länder und Institutionen der Europäischen Union stehen wohl vor der schwersten Aufgabe seit 1945. Wir alle wissen es, vier Millionen Flüchtlinge verharren immer noch in den Lagern der Nachbarländer Syriens.

Und wir wollen es auch nicht verschweigen, es gibt gute humane Ansätze eines Weges, eines neuen Weges, wie die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Migrationspolitik und eine folgende Aufteilung der anerkannten Flüchtlinge auf die Mitgliedsstaaten. Die Bildung einer EU-Avantgarde unter österreichischem Vorsitz mit dem Ziel, eine Brücke zu den migrationsskeptischen Ländern zu schaffen. Vor allem aber die internationalen und diplomatischen Initiativen zur Beendigung der Kriegshandlungen im Nahen Osten, die Fortsetzung der Vienna-Talks, die als Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden geführt werden müssen. Es wird dauern, aber bis dahin darf die Staatengemeinschaft die flüchtenden Menschen nicht allein lassen. Sie haben das Recht auf Leben und Würde!

Hier schließt sich der Kreis der Gedanken und des Gedenkens an diesem Ort. Zuerst wurde die Würde der Menschen verletzt, dann ihr Recht auf Sicherheit und Leben genommen und am Ende wurden sie von den NS-Terroristen ermordet.

Es gibt keine Alternative! Wir müssen die Grund-, Freiheits- und Menschenrechte, wie sie in Erklärungen, Konventionen, Katalogen und Verfassungen stehen, bewahren und verteidigen. Erst dann können wir mit Hoffnung und Zuversicht zu unseren Kindern und Enkelkindern sagen: Es wird alles wieder gut.“

Die Liga verliert mit Klaus Gartler einen langjährigen Freund und unermüdlichen Mitstreiter für Frieden und Menschlichkeit.

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